SWR Filmbeitrag


Wichtige Fragen zum Verständnis von Beweglichkeit

 

1.   Welche Bedeutung hat das Bindegewebe (Muskelfaszie)?

2.   Kennen Sie die Funktion von Titin als elastische Feder im

      Muskel?

3.   Wie wird die Muskulatur gesteuert – Reflexe im Muskel bzw.

      Rückenmark oder im Zentralnervensystem?

4.   Sind intensive Beweglichkeitsübungen für den Muskel selbst

      problematisch, besteht eine Verletzungsgefahr?

5.   Ist traditionelles Stretching gefährlich - wenn ja - warum?

6.   Soll man vor dem Sporttreiben den PI-Effekt anwenden?

7.   Nimmt man dem Sportler durch das Beweglichkeitstraining nicht

      die notwendige Muskelspannung (Muskeltonus)?

8.   Was wissen wir wirklich vom Muskelschutzreflex?

9.   Gehört das Beweglichkeitstraining zum Aufwärmen?

10. Kann man das Ergebnis des Beweglichkeitstrainings messen (die

     Gelenkreichweite, die verbesserte Leistungsfähigkeit)?

11. Soll man bei akuten Verletzungen die Beweglichkeit trainieren?
     Wie trainiert man nach Muskelzerrungen die Beweglichkeit?

12. Weshalb verbessert sich beim Sportler durch den PI-Effekt die

     Leistungsfähigkeit? Ist das immer der Fall? Wenn ja, dann gehört

     das Beweglichkeitstraining mit dem PI-Effekt zum Pflichtprogramm

     vor dem Wettkampf!

 

  • Nur auf die richtigen Fragen gibt es die richtigen Antworten bzw. Lösungen!
  • Nur wer richtig trainiert, wird sich nicht verletzen und seine Leistungsfähigkeit optimieren!

 

Definition

Unter Beweglichkeit versteht man die Fähigkeit, Bewegungen in einem oder mehreren Gelenken innerhalb anatomischer, biomechanischer und neurophysiologischer - bzw. neurobiologischer - Zusammenhänge mit großer und möglichst optimaler (maximaler) Amplitude auszuführen.

 

Beweglichkeit Stretching galt beinahe drei Jahrzehnte im Sport als unumstößlich. Scheinbar waren die Trainingsabhängigkeiten hinreichend erklärt worden. Ständig neue Varianten über das Stretching irritierten. Manch einer lässt aufgrund von Warnungen Dehnübungen sogar ganz weg.

Inzwischen ist die Verunsicherung über das Stretching groß.

  • Wann sind "Dehnübungen" sinnvoll?
  • Haben sogenannte "Dehnübungen" vor dem Sport überhaupt einen Sinn?
  • Wenn ja, wie sollen Übungen zur Verbesserung der  Beweglichkeit durchgeführt werden?

Bereits Mitte der 90er Jahre war sicher, dass Erklärungen über die Ausführung von Dehnübungen auf Spekulationen beruhen und deswegen wissenschaftliche Forschungsergebnisse die bereits bestehenden, nicht vollständig abgesicherten Theorien irgendwann ablösen würden. Unter anderem haben verschiedene Professoren aufgezeigt, dass beim Stretching weder eine Zunahme der Muskellänge, noch eine Verringerung des Muskeltonus oder der Verletzungsgefahr erfolgt.

 

Beweglichkeitstraining im 21. Jahrhundert

Ergebnisse des Beweglichkeitstrainings können nur angemessen beschrieben werden, wenn man die wesentlichen Einflussgrößen ganzheitlich bewertet. Dabei müssen Aspekte der:

  • Physiologie (z.B. Muskelaufbau, passive Strukturen, Bindegewebe)
  • Biomechanik (z.B. Gelenkweite, Range of Movement)
  • Trainingslehre (z.B. Leistungssteigerung, Alter)
  • Sportmedizin (z.B. vermeiden von Muskelverletzungen)
  • Neurobiologie (z.B. Steuerungsprozesse der Muskulatur, Zentralnervensystem)

Das Beweglichkeitstraining mit dem PI-EFFEKT verwirklicht einen elementaren Wechsel. Zwar sehen die Übungsausführungen ähnlich wie beim Stretching aus, aber das Beweglichkeitstraining mit dem PI-EFFEKT fängt eben dort an, wo Stretching bisher aufhörte.

 

 

   
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der PI-EFFEKT
Die Beweglichkeitsverbesserung wird mit dem PI-Effekt (progressiv - intermittierend) umschrieben. Das Beweglichkeitstraining wird fortschreitend (progressiv) gesteigert. Die Übungsphase wird genau dort angehalten (intermittierend), wo der Widerstand der Muskulatur deutlich spürbar ist. Verschiedene Techniken (isometrische Anspannung) am Muskel selbst, am Gegenmuskel oder sogar an der anderen Körperseite (kontralateral) führen zum Trainingserfolg. Durch diesen Impuls werden Verspannungen (Blockaden) im Muskel gelöst. Folglich kann das Beweglichkeitstraining auf neuem Niveau fortgesetzt werden.

Der PI-EFFEKT optimiert die motorische Steuerung, also die Nerv-Muskel-Verbindung. Fachlich nennt man das eine Verbesserung der inter- und intramuskulären Koordination. Dabei werden nicht, wie früher vermutet, die Muskelfilamente in die Länge gezogen, sondern Muskelverspannungen gelöst.

Ausgehend von der modernen Vorstellung über den Aufbau des Muskels, beschreibt Anrich eine neuartige Methode. Mit dem Beweglichkeitstraining und dem sogenannten PI-EFFEKT gehören Muskelprobleme der Vergangenheit an. Dem Beweglichkeitstraining mit dem PI-Effekt liegt also ein vollkommen anderer Muskelaufbau zugrunde. Anrich berücksichtigt im Gegensatz zu den Modellen der Vergangenheit das Titin als essentielles Muskelprotein. (Diesen Muskelaufbau beschreibt er am besten im Fachbuch: "Fußball, Leistung steigern - Verletzungen vermeiden".)

Zwischenbemerkung zum traditionellen Stretching: Wenn man grundsätzliche Gesetzmäßigkeiten des Stretchings erörtert, aber von drei zentralen Bausteinen des Muskels immer nur zwei (Aktin und Myosin) berücksichtigt und nicht das zentrale Muskelprotein Titin, dann ist es auch nicht verwunderlich, wenn alle Untersuchungen über das Stretching in der Vergangenheit zu zweifelhaften oder keinen aussagekräftigen Ergebnis kommen.

 

Muskelfaszie

 

1.   Die „Muskelfaser ist der grundlegende Baustein jedes quergestreiften Skelettmuskels. Sie besteht aus einer Zelle, die mehrere Zellkerne  aufweisen kann. Eine einzige Muskelfaser kann bis zu 15 Zentimeter lang und ungefähr 0,1 Millimeter dick sein. Muskelfaser ist umgeben von einer Hülle aus Bindegewebe, dem Ednomysium (endo - innen).

2.   Mehrere Muskelfasern werden zu Muskelfaserbündeln zusammengeschlossen. Ein Muskelfaserbündel wird umschlossen von Septen aus starkem Bindegewebe, dem Perimysium (Peri - zwischen).

3.   Der ganze Muskel besteht aus vielen Muskelfaserbündeln. Diese werden umhüllt vom Epimysium (Epi - oben/außen).

4.   Das Epimysium ist noch einmal eingepackt in die Muskelfaszie, eine sehr feste Muskelhülle, die den Muskel in seiner äußeren Form hält. Diese Faszie haben einige vielleicht schon einmal beim Kochen kennengelernt. Filetfleisch ist manchmal von einer sehr festen weißen Schicht umhüllt. Diese Hülle ist die Muskelfaszie. Versuchen sie einmal, die Faszie mit einem Messer in Querrichtung zu zerschneiden. Das ist gar nicht so einfach. Die Faszie setzt sich am Ende des Muskelbauches als Sehne fort.

5.   Hinzu kommen Bindegewebsplatten in der Muskulatur sowie Puffer am Übergang von Muskelzelle und Bindegewebe.

 

Wichtige Fragen?

Kann man biomechanisch-physiologisch den Muskel (im Aktin-Myosin-Bereich) in die Länge ziehen? Wie werden die passiven Strukturen / Kräfte ausgeschaltet? Meine Erachtens liefert die dargestellte Physiologie den Beweis, dass die alten Vorstellungen über Stretching (Dehnen) nicht haltbar sind.


Ein Muskel ist in seiner inneren Faserstruktur nicht dehnbar!

 

„Kleine Fehler machen doch nichts“. Führen Sie diese Argumentation am Beispiel eines Fahrradreifens. 99% des Schlauches sind ganz, es ist nur ein kleines Loch. Kleine Ursachen haben manchmal eine große Bedeutung oder eine große Wirkung. Eigentlich ist es egal, ob der Torschuss knapp oder weit neben das Tor vorbei geht.

 

Das Stretching verdeutlicht, wie eine falsche Vermutung, jahrelang zu falschen Trainingsaussagen geführt hat.

Vermutung: Der Muskel schützt sich beim Stretching (Dehnen) durch den Dehnreflex vor Verletzungen. Immer, wenn die Muskulatur ruckartig gedehnt wird, löst die Muskelspindel, gemeinsam mit dem Golgi-Sehnenapparat einen Schutzreflex aus. Folglich soll man nicht schwungvoll dehnen, sondern langsam stretchen. Am besten mit der CHRS-Methode, wo die Muskelspindel desensibilisiert und der Muskeltonus herabgesetzt wird und man deswegen den Muskel (nach dem Sport) gut dehnt.

 

Als diese Argumentationskette aufgrund der Vermutung des Schutzreflexes erstellt wurde, fand diese Art des Stretchings erst einmal breite Zustimmung. Erst nachdem die vermuteten Effekte des „Dehnens“ überprüft worden waren, hörte man zunehmend teils heftige Kritik. Nicht wenige forderten aus unterschiedlichen Motiven zum völligen Verzicht von Stretchingübungen vor dem Sporttreiben auf.

 

Wie wird eine Vermutung widerlegt? Durch den Nachweis, dass diese Vermutung falsch ist.

 

Beispiel für Klarheit in der Beweisführung:

 

1.    Kann man biomechanisch-physiologisch den Muskel (im Aktin-Myosin-Bereich) überhaupt in die Länge ziehen? Wie werden die passiven Strukturen (Binde­gewebe / Musklelfaszie), die als schützende „Wand“ um den Muskel gelagert sind, ausgeschaltet?

 

Antwort: Siehe oben!

 

2.    Der Muskelschutzreflex, der Ausgangsvermutung des Stretchings war, wurde in Wirklichkeit nie bewiesen. Man stelle sich vor, ein Gerätturner befindet sich im Doppelsalto und löst durch die explosive Bewegung den Schutzreflex aus. Oder der Schlag des Boxers, weil er die Faust extrem beschleunigt. Die Dynamik des Speerwurfs würde eine Schutzhemmung zur Folge haben.

 

Antwort:

Obwohl der Schutzreflex als Vermutung in fast jedem Trainingslehrbuch zu finden ist, konnte dieser Muskel-Schutzreflex in Wirklichkeit nie nachgewiesen werden. So bitter es für Lehrer, Trainer und Sportler ist, eine falsche Vermutung wird nicht dadurch wahrer, indem man sie 100 Mal abschreibt oder wiederholt.

 

3.    Der gefühlte Muskeltonus ist nicht der Tonus, sondern man nimmt Muskelver­spannungen wahr und interpretiert sie als Muskeltonus. Nach dem Beweglichkeitstraining mit dem PI-Effekt fühlt sich der Muskel lockerer an, man glaubt der Muskeltonus habe sich verringert. Messbar ist jedoch genau das Gegenteil.

 

Ergebnis: Die Vermutung, beim Stretching wird der Muskel in die Länge gezogen und dadurch der Muskeltonus herabgesetzt, hat sich nicht bestätigt.

 


weiter >

 




Literaturtipps
Anrich, Ch.: Supertrainer - Stretching und Beweglichkeit, Reinbek bei Hamburg 2008, 5. Auflage.
Anrich, Ch.: Der PI-Effekt, Neuartiges Beweglichkeitstraining zur Verletzungsvorbeugung und damit zur Leistungssteigerung, Fußballtraining 6, 2003.
Anrich, Ch: Fußball, Leistung steigern - Verletzungen vermeiden, Reinbek bei Hamburg 2002.




Supertrainer Volleyball
>> weiterlesen






Supertrainer Stretching und Beweglichkeit
>> weiterlesen



webdesign + realisierung: lorch projects & teamsolutions