2005 hatten wir in Deutschland in der A-Jugend Bundesliga / B-Jugend Regionalliga einen Verletzungsstand von 34% (Daten stammen vom März 2005). Bei einer Kadergröße von 21 Spielern, sind folglich nur 14 Spieler voll einsatzfähig. Da stellt sich teilweise die Mannschaft von selbst auf. Wenn man den Anspruch hat, zur deutschen oder sogar europäischen Spitze gehören zu wollen, hat man eigentlich keine Wahl und muss im Training Maßnahmen zur Leistungsoptimierung sowie Prävention ergreifen.
Um im fußballerisch oberen Leistungsbereich mithalten zu können, sollte man folgende 5 Teilaspekte abdecken:
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Individuelle Spieleranalysen und zugeschnittene Trainingsaufgaben
(Koordination, Kraft, Gelenkstabilisation, Beweglichkeit)
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Neuronale Optimierung des Nerv-Muskel-Zusammenspiels, um Verletzungen zu vermeiden und die Athletik zu verbessern
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Einbindung der Vestibularmotorik, damit die Reaktions- und Antrittszeiten bestmöglich geschult werden.
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Krafttraining, um Gelenke individuell differenziert zu stabilisieren und schwere Verletzungen zu vermeiden. Dabei müssen vor allem die fußballtypischen Schwachstellen (über das ganze Jahr) in den Fokus geraten
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Verbesserung der spieltypischen Handlungsschnelligkeit (Reaktion, räumliche Orientierung, Umstellungsfähigkeit, individuelle Kreativität)
Andere europäische Länder (z.B.Italien, Holland, Schweiz und Österreich) sind in diesen Punkten teilweise deutlich weiter.
Wäre Brasilien 2002 gegen Deutschland auch Weltmeister geworden, wenn Ronaldo noch immer verletzt und Sebastian Deisler dafür voll einsatzfähig gewesen wäre?
Auf diese Frage gibt es natürlich kein Antwort. Allerdings wird deutlich, die Gesundheit der Spieler ist eine Voraussetzung für das Erreichen von sportlichen Höchstleistungen (Erfolgen).
Dort, wo Trainingsinhalte sportartspezifisch vermehrt trainiert werden, verschiebt sich auch das "Muskelskelett". Die Muskeln wirken jedoch auf die Gelenke, indem sie Kraft entwickeln und diese Energie auf den Bewegungsapparart übertragen. Wird ein Muskel (Agonist) deutlich mehr auftrainiert als sein Gegenspieler (Antagonist), was beim Leistungstraining häufig der Fall ist, beanspruchen veränderte Kraftreize und Druckpunkte sowie Scherbelastungen die Kapseln, Knorpelfasern und Gelenke.
Es gibt wohl kaum mehr eine Fußballmannschaft, in welcher nicht mehrere Spieler verletzungsbedingt pausieren müssen. Unkenntnis über richtiges Training provoziert Verletzungen. Ich vermute, mindestens 50% aller Verletzungen von Fußballern könnten vermieden werden, wenn neuste Forschungsergebnisse in das Training integriert würden (vgl. dazu die Literatur von Elmar Wienecke und Christoph Anrich).
Wer folglich beim Training nicht Zeiten für die vorbeugende Maßnahmen einplant, muss auch gleich Zeit und Geld für Verletzungen und die Rehabilitation mit einkalkulieren. Verletzte Fußballer fallen während der Rehabilitation immer für alle Spiele aus. Deswegen ist die Behandlung von Muskelverletzungen wichtig. Viel besser ist es, wenn sich die Spieler erst gar nicht verletzen.
Sicherlich müssen Trainingsempfehlungen sowohl für das Beweglichkeitstraining als auch für das Krafttraining aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse modifiziert werden. Fußballer dürfen sich nicht wegen Trainingsumstellungen verletzen, sondern Trainingsumstellungen müssen Verletzungen vermeiden helfen. Kraft- und Beweglichkeitsübungen können nicht verordnet werden. Es muss also eine Aufklärung erfolgen, welche Übungen sinnvoll sind und welche nicht. Nur dann kann ein neues Bewusstsein für wichtige, unverzichtbare Übungsinhalte entstehen.
Die Aussagen über die Wirkung von funktionsgymnastischen Übungen gehen teilweise weit auseinander. Trainingsempfehlungen sollten verständlich und nachvollziehbar erklären ...:
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Ab wann darf man ein Beweglichkeits- bzw. Krafttraining machen?
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Welche Übungen sind in welchen Alter sinnvoll?
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Welche Gesundheitsgefahren bestehen bei Kraftübungen, und welche, wenn Kraftübungen weggelassen werden?
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Wie differenziert man ein Krafttraining?

Die Praxis im Fußballtraining dosiert relativ häufig das Verhältnis von Belastung und regenerativen Maßnahmen falsch. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Fußballer sich zum Leistungshöhepunkt verletzen. Je mehr man leistungsorientiert trainiert, desto wahrscheinlicher verliert man dabei eine gute muskuläre Balance.
Um Leisten- Knie- und Kreuzschmerzen zu vermeiden, müssen proportional zum Trainingsumfang auch muskuläre Dysbalancen ausgeglichen werden. Das bedeutet, im Hochleistungsbereich, wo am umfangreichsten und sportartspezifischsten trainiert wird, muss, möglichst nach individuellen Kraft- und Beweglichkeitstests, das intensivste Ausgleichstraining erfolgen. Dies sollte ein förderndes, spezifisch zugeschnittenes Leistungstraining und keine Krankengymnastik sein.
Lesen Sie zum Thema hier einen Artikel aus der Zeitschrift "Fussball Training" Ausgabe 7/2003:
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Artikel: Fussball Training Ausgabe 7/2003 PDF-Dokument (12 MB) |
Anrich, C.: Fußball Leistung steigern -
Verletzungen vermeiden, Rowohlt 2002
Empfohlen vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer
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Inhaltsverzeichnis: Fussball Leistung steigern PDF-Dokument (30 KB) |
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Literaturtipps:
Anrich, C.: Fußball, Leistung steigern - Verletzungen vermeiden, Rowohlt, Reinbek 2002.
Anrich, C.: Supertrainer Stretching und Beweglichkeit, Rowohlt, Reinbek, 2003.